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Kenia: Kultur und Bildung

15.08.2019 - Artikel

Bildung

Die kenianische Regierung sieht Bildung als wichtigstes Mittel für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes an. Mit 26 % des Nationalbudgets für Bildung dürfte Kenia einen der höchsten Prozentsätze in Afrika haben. Aufgrund der Kombination aus Bevölkerungswachstum und höheren Übergangsraten zur Sekundarschule und in Folge dessen steigender Schüler- und Studentenzahlen stellen Qualitätssicherung,  Steigerung von Relevanz, Praxisbezug und Arbeitsmarktorientierung sowie die Stärkung der Hochschulforschung  die größten Herausforderungen dar. Die Analphabetenrate liegt bei rund 21 Prozent.

Das kenianische Schulsystem gliedert sich in die obligatorische Grundschule (Primary School – acht Jahre) und die darauf aufbauende Sekundarschule (Secondary School – vier Jahre). Unterrichtssprache ist in der Regel Englisch, Kiswahili ein eigenes Unterrichtsfach. In der weiterführenden Schule werden Französisch, Deutsch, Chinesisch oder Arabisch (vorwiegend an der Küste) als Fremdsprachen unterrichtet. Das Schulgeld in Grund- und Sekundarschulen wurde aufgehoben und eine de-facto Schulpflicht im Sekundarbereich eingeführt. Eine Bildungsreform (Umstellung des bisherigen Systems (8-4-4) auf das sogenannte 2-6-3-3-3-System (Pre-primary, primary, junior secondary, senior secondary, vocational training/university education) sowie von standard- auf kompetenzbasierten Lehrplan ) wurde von Anfang 2019 auf 2020 verschoben. Das Schulsystem leidet unter überfüllten Klassen und Lehrermangel. 2018 fehlten 96.000 Lehrer, davon 38.000 in Grundschulen. Innerhalb der nächsten 5 Jahre sollen deshalb 95.000 Lehrer und bis 2023 100.000 Lehrpraktikanten neu eingestellt werden.

Die Hochschulausbildung umfasst ein vierjähriges Studium. Kenia verfügt über 31 staatliche und eine Vielzahl privater Universitäten sowie über mehrere Forschungseinrichtungen. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung des Landes hat die Anzahl der Studierenden und Universitäten in den letzten Jahren stark zugenommen. Der Hochschulzugang wird durch die zentrale Vergabestelle KUCCPS geregelt. 2017 konnten erstmalig nahezu alle Sekundarschulabsolventen und –absolventinnen, die sich formal für ein Hochschulstudium qualifizierten, einen staatlich geförderten Studienplatz erhalten.

Eine in Nairobi geplante ostafrikanisch-deutsche Fachhochschule soll künftig praxisorientierte akademische Ausbildung für Studierende aus ganz Ostafrika anbieten. Ein Memorandum of Understanding wurde 2017 unterzeichnet.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) unterhält in Nairobi ein Regionalbüro für Afrika und ist seit 1974 im Land vertreten. Zwei entsandte Lektoren des DAAD arbeiten an der University of Nairobi und an der Kenyatta University, die sich ebenfalls in Nairobi befindet. Der DAAD vergibt in Kenia Stipendien und fördert Hochschulkooperationen zwischen Deutschland und Kenia.

Das Goethe-Institut in Nairobi, seit 1963 in Kenia aktiv, bietet Sprachkurse in Nairobi und Nyali/Mombasa, Workshops und Seminare für Lehrer im Bereich Deutsch als Fremdsprache sowie ein umfangreiches Prüfungsprogramm an.

Kulturpolitik

Die bilateralen Kulturbeziehungen zu Kenia sind intensiv und prägen das Deutschlandbild. Beide Länder arbeiten intensiv in den Bereichen Bildung, Kultur und Medien zusammen.

Wichtigste Anliegen der kulturellen Zusammenarbeit sind die Förderung des kulturellen Austauschs sowie von Deutsch als Fremdsprache. Deutschland unterstützt vor allem Projekte in den Bereichen Musik, Theater, Film, Bildende Kunst und Sport. Bei der Unterstützung lokaler Kultur-Festivals in Kenia, die nicht zuletzt die Versöhnung verschiedener ethnischer und religiöser Gruppen zum Ziel haben, spielt Deutschland ebenfalls eine wichtige Rolle.

Das 1987 abgeschlossene Kulturabkommen hat sich bewährt. Deutschland fördert die deutsche Sprache in Kenia. Besondere Bedeutung genießen dabei die Sprachkurse des Goethe-Instituts sowie die Partnerschulinitiative PASCH mit vier Partnerschulen in Kenia. Das Goethe-Institut Nairobi organisiert und unterstützt ein breites Spektrum von kulturellen Veranstaltungen zur Präsentation deutscher Kultur im Ausland und zum interkulturellen Austausch. Das Infozentrum des Goethe-Instituts Nairobi vermittelt Informationen zu aktuellen Aspekten des kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Lebens in Deutschland. Es bietet umfangreiche Buch- und Medienbestände für alle, die sich für Deutschland interessieren, oder die Deutsch lernen oder lehren wollen. In Kenia wird die Deutsche Schule Nairobi, die in diesem Jahr mit 200 Schülerinnen und Schülern ihr 50jähriges Jubiläum begeht, aufgrund ihrer zunehmend bilingualen Ausrichtung auch von Eltern ohne Deutschlandbezug sehr geschätzt, sie verfügt außerdem über einen Kindergarten.

Medien

In den TV-, Radio- und Printmedien ist grundsätzlich eine freie und regierungskritische Berichterstattung möglich. Die meisten Medien berichten über eine Vielzahl politischer und sozialer Themen – einschließlich der Veröffentlichung von Meinungsartikeln und Kommentaren, die die Regierung kritisieren. Es existiert eine große Bandbreite verschiedener Medienhäuser. Die Medien gehören zu den wenigen, im afrikanischen Vergleich vergleichsweise gut funktionierenden Institutionen in Kenia. Seit langem übernehmen sie die Rolle der Opposition als kritischer Beobachter der kenianischen Politik. Dennoch bleibt der Einfluss einzelner Führungspersönlichkeiten des Landes im Medienbereich deutlich sichtbar, was sich beispielsweise bei der Berichterstattung über die Strafverfahren vor dem Internationalen Strafgerichtshof gezeigt hat. Bei sensiblen Themen wie der Terrorismusbekämpfung oder Wahlberichterstattung kommt es gelegentlich zu Einschüchterungen und Einschränken. Die Regierung übt aber auch Einfluss auf die Medienhäuser aus durch Aktienbeteiligung hochrangiger Politiker oder ihre Stellung als wichtigster Auftragszahler für Werbung und Anzeigen.

Deutschland unterstützt im Rahmen der Deutschen Welle Akademie die Aus- und Weiterbildung kenianischer Journalisten. Die Deutsche Welle strahlt Sendungen auf Kiswahili aus.

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